Teilnehmerberichte

Es muss nicht immer der Ötztaler sein: In Tschechien lockt ein noch junges Event entdeckungslustige Höhenmeter-Sammler

 

Der Krusnoton im Erzgebirge ist einer der anspruchsvollen Radmarathons in Tschechien. Trotz der Nähe zu Deutschland kennt die Veranstaltung hierzulande kaum jemand. TOUR hat den "Ötzi des Ostens" besucht, hier gibt es zur Reportage in Ausgabe 10/2016 eine zusätzliche Bildergalerie

Der ganze Artikel als PDF

 

2015

Krusnoton 2015

Geschrieben von Robert Petzold

2015 sollte es endlich mal klappen mit der Teilnahme am Krusnoton. Der Marathon mit der größten „Überhöhung“ in Tschechien. Schon seit einigen Jahren wusste ich von diesem Rennen im tschechischen Erzgebirge. Ein echter Geheimtipp! 250 km mit 4700 Hm. Vergleichbar mit Marathons in den Alpen. Nur alles viel herzlicher, besser organisiert, preiswerter und vor allem auch…

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Krušnoton >tschechischer Glutofen<

von centurio-tle

Aus dem Koma erwacht will ich euch ein paar Zeilen schreiben:

Das Fazit zu Beginn: Es war wohl das Härteste was ich bis dato gemacht habe (250km/4900hm).

Früh ging es los, 0330 Wecker, 0400 im Auto und pünktlich 0600 auf dem Parkplatz in Teplice…

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2014

Rennrad zu verkaufen
oder
Der letzte Teil der KRUSNOTON-Trilogie

09. August 2014 - crazy race im Erzgebirge

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, aber sie stirbt!
In meinem Fall dieses Jahr genau bei Kilometer 110. Sieben Minuten nach der „deadline“ erreichte ich ziemlich kaputt vom dritten Anstieg das (eigentlich) rettende Buffet. Das meiste war schon eingepackt, Wasser bekam ich noch und den letzten Becher Cola…

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2013

Bericht vom 3K-Tag (Krusnoton-Kurz-Kampftag) am 10. August 2013

…eigentlich sollte die Überschrift dieses Jahr lauten: „Die Rote Laterne schlägt zurück!“ Zurückgeschlagen hat aber dieses Mal der Krusno-Tot. 

Mir war ja von Anfang an nicht ganz wohl dabei, heute nur die Kneifervariante  (110 km) gewählt zu haben, aber dass es so sehr kneift, war nicht vorauszusehen.

Nach 15 km war die Luft schon raus – aus dem Vorderrad!

Eigentlich kein Problem, man hat ja schließlich alles dabei…

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2012

Bericht von meinem ersten KRUSNOTON

Wenn es interessiert, hier ein kurzer Stimmungsbericht, verfasst im Zustand noch immer anhaltender Sauerstoffschuld im Gehirn:

Nun, in einem Anfall maßloser Selbstüberschätzung wollte auch ich nun meinen ersten "richtigen" Radmarathon bestreiten.

Wie kommt man auf so etwas? 

Nun, in einem Anfall maßloser Selbstüberschätzung wollte…

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Krusnoton 2015

Geschrieben von Robert Petzold

2015 sollte es endlich mal klappen mit der Teilnahme am Krusnoton. Der Marathon mit der größten „Überhöhung“ in Tschechien. Schon seit einigen Jahren wusste ich von diesem Rennen im tschechischen Erzgebirge. Ein echter Geheimtipp! 250 km mit 4700 Hm. Vergleichbar mit Marathons in den Alpen. Nur alles viel herzlicher, besser organisiert, preiswerter und vor allem auch nicht so weit weg. Durch Trainingsrunden war mir schon 95% der Strecke bekannt und ich wusste was mich erwarten würde.

Die Wettervorhersage eine Woche vor Rennen meldete 37°C und so sollte es letztlich auch kommen. Tropische Temperaturen in der Nacht zum Samstag und die Aufregung sorgten für ganz schlechten Schlaf und trübten die Stimmung zum Start ein wenig. Auf den ersten 20 km hatte ich zu tun, richtig munter zu werden. Doch so zügig wie einige Teilnehmer die ersten steilen Streckenabschnitte wegdrückten, so schnell verflog auch die Müdigkeit.

Kein Drogenkurier, nur die vorbereiteten Portionsbeutel für die „Plempe“

Ich probierte mal wieder eine etwas neue Ernährungsstrategie aus. Stündlich knapp 60 g Maltodextrin, 30 g Fructose und ein wenig Salz. Das alles in Wasser gelöst. Geschmacklich keine Offenbarung, aber zweckmäßig und ohne Fruchtsaft hoffentlich nicht ganz so aggressiv zum Zahnschmelz. In Naklerov waren die ersten zwei Flaschen fast vollständig geleert und dank Björn, der in Begleitung von „The Animal Junior“ dreimal auf dem Erzgebirgskamm Hilde, Sirko und mir neue Flaschen reichte, konnte ich mich mal wieder ein ganzes Rennen lang von delikater Kohlenhydratplempe der Version 2.0 ernähren. DANKE! Für den Notfall hatte ich zwei Gels mit Koffein in der Trikottasche, die ich letztlich nicht benötigte.
Die ersten 80 km war „Einrollen“ angesagt. Nicht überziehen, aber an den Anstiegen das Tempo hochhalten, sodass die Gruppe dezimiert wird und das Rennen vorne keine Kaffeefahrt wird. Möglichst lang und schwer sollte es werden, dazu die Hitze. Das ich damit noch am besten klarkommen würde, soviel Selbstvertrauen hatte ich nach dem RATA auf jeden Fall.

Die obligatorischen Führungsmeter (Fotomaterial: www.krusnoton.cz bzw. www.roadcycling.cz)

Erfahrungsgemäß ist Krupka bei km 83 der erste Scharfrichter des Rennens. 5 km mit etwa 470 Hm. Mit gut 320 Watt hielt ich das Tempo konstant hoch und nach knapp 19 min waren wir dann nur noch zu zweit oben. Startnummer 1 und ich. Da war ich schon beeindruckt und dachte es wäre der Vorjahressieger, dem war aber nicht so. Mit Team-Begleitauto wurden hier aber auch große Geschütze aufgefahren. Leider arbeiteten wir beide nicht so gut zusammen. Zähe Geschichte, immer wieder kam nach kurzer Führung seinerseits der Wink mit dem Ellenbogen, dass ich doch wieder die Führung übernehmen sollte. Ich war damit nicht ganz einverstanden, weil ich doch schon 90% vorn gefahren bin. Mikulov rollten wir zusammen hoch. Das Führungsfahrzeug vom Krusnoton stets bei uns und 0,5l Wasserflaschen verteilend. Perfekter Service. Halbe Flasche trinken, die andere Hälfte bei nun schon 30°C über den Körper schütten und für Kühlung sorgend. In Nove Mesto, nach knapp 4 Stunden Fahrzeit, stand wieder Björn mit zwei Flaschen neuer Plempe und auch Peter aus Freiberg ließ sich als „Fan“ an der Strecke blicken und „durfte“ mir eine Flasche reichen.

Flaschenwechsel mit Björn und Peter in Mikulov

Das ist mittlerweile schon sehr edel. Ob Sirkos Eltern, Björn und Peter oder die zahlreichen Personen, die von zu Hause aus die Daumen drücken. Ihr seid alle der Wahnsinn! Das sorgt für gute Stimmung und ist eminent wichtig, um mental die Leistung abrufen zu können.

Hier noch in Begleitung unterwegs.

Dass die Stimmung bei meinem Begleiter zunehmend schlechter wurde, merkte ich natürlich. Ich verkürzte nun selber die Führungsintervalle, schwenkte öfters den Ellenbogen und pokerte etwas. Ich glaube das gefiel ihm nicht. Als er in Lom einen Zwist mit dem Fahrer vom seinem Begleitauto hatte, nutzte ich die Gunst der Stunde und verschärfte das Tempo gleich zu Beginn des Anstiegs nach Dlouha Louka und setzte mich schnell ab. 5,5 W/kg konnte ich nach über 150 Kilometern noch erbringen und es fühlte sich auch noch gut an. Verrückt bei der Hitze! Nun also noch ein 100 km Solo bis ins Ziel. Das ganze bei Temperaturen, die im böhmischen Kessel auf 40°C zu gingen. Schon ein wenig verwegen. Doch ich konnte nun mein Tempo fahren, versuchte aerodynamisch effizient vorwärts zu kommen und es lief einfach unfassbar gut. Der Schnitt näherte sich den 33 km/h und ich knallte durch die tschechische Prärie und dachte dabei ab und zu an Tony Martin, haha.

Im böhmischen Glutofen etwa 40 km vor dem Ziel (Fotomaterial: www.krusnoton.cz bzw. www.roadcycling.cz)

(Fotomaterial: www.krusnoton.cz bzw. www.roadcycling.cz)

Ein paar Fans und Streckenhelfer schafften Abwechslung und dann waren da ja noch Sirkos Eltern mit der Sachsenfahne, die bis zum Schluss das Rennen mehr oder weniger spontan verfolgten und mich anfeuerten, Flaschen reichten, leere Flaschen entgegen nahmen und mich über Abstände informierten. 20 Minuten sollten ich auf 60 km schon rausgefahren haben. Ein paar Bedenken hatte ich wegen der Hitze und der Gefahr eines unberechenbaren Defektes. Richtung Milesov wurde es langsam schwerer. 300 Watt berghoch waren nicht mehr leicht zu halten und ich merkte wie die aufgenommene Flüssigkeit, etwa ein guter Liter pro Stunde, sich im Körper verteilt. Arme, Beine, Kopf schwollen leicht an. Das waren letztlich aber die einzigen Probleme im ganzen Rennen. Dank der Vorbereitungsrunde mit Sirko vor einer Woche, wusste ich genau über den Schlussteil der Strecke Bescheid. 20 km von der letzten Bergwertung zum Ziel, dafür benötigt man etwa 30 min Fahrzeit. Nach 7:01h Fahrzeit war ich oben. Unter 7:30h wäre ein geiles Ziel. Dafür müsste ich mich noch ein bisschen strecken. Mit zunehmend schweren Beinen raste ich Richtung Teplice. Nun auch in Begleitung vom Motorrad. Nach 7:29h konnte ich überglücklich die Ziellinie überqueren. Immerhin 33,4 km/h im Schnitt. Als die Nächstplatzierten fast eine halbe Stunde später ins Ziel kamen, realisierte ich meinen Ritt so langsam und konnte mir ein schelmisches Lächeln ob der verrückten Aktion nicht verkneifen.

Etwas überhitzt, aber glücklich im Ziel (Fotomaterial: www.krusnoton.cz)

Hilde, der Mann der Schweinekarre, kam dann sogar etwas überraschen auf Platz 4 ins Ziel. Platz 2 in seiner AK. Ganz starke Vorstellung! Sirko mit Hitzeproblemen noch Top 10 und völlig erschöpft und krampfend auf der Wiese liegend. Der große Meister eben.
Es dauerte nun einige Stunden bis zur Siegerehrung, aber die Sache war so gut organisiert und es herrschte seitens der Organisation und der vielen Helfer eine unglaubliche Freundlichkeit. Kostenlos Nudeln, Getränke, kaltes Wasser direkt aus dem Schlauch. Das Ganze für einen Startpreis, der nicht der Rede wert ist. Die Siegerehrung war dann ebenso herzlich wie der ganze Tag schon. Dreimal durfte ich das höchste Podest besteigen und allerhand Preise mitnehmen. Gesamt, AK und Giro Lanutti, wo ich erst gar nicht wusste, um was es sich hierbei handelt. Es war die schnellste Zeit auf der Flaje-Runde.

Doch nach der Ehrung war der Tag noch nicht vorbei. Da war ja noch Jessi! Während Sirko ihr etwa 20% Finisherchance einräumte, machte ich mich kurz vor 18 Uhr per Rennrad auf den Weg, um ihr die letzten Kilometer entgegen zu fahren. Allerhand fertige Gestalten von der 250er und 180er Runde kamen mir entgegen. Sogar ein Krankenwagen. Hier merkt man erst was das bei dem Wetter für eine Anstrengung und Belastung für den Körper bedeuten kann und ich machte mir so meine Gedanken und musste an Sirkos Prognose denken. Doch nicht mal 10 km vor dem Ziel radelte da Jessica. Locker wie eh und je. Gut gelaunt und von Anstrengung wenig zu sehen. 18:29 Uhr im Ziel. Absoluter Ausdauerwahnsinn! Kommt mir bekannt vor. Erste Frau auf der langen Strecke und auch Siegerin vom Giro Lanutti! Damit haben wir an jenem Tag alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Krasse Show! Im nun gut gefüllten Colt ging es zurück nach Dresden. Abgefahren!

Belustigt über die neongrünen Kompressionssocken

Da der Krusnoton außerhalb Tschechiens noch eine recht geringe Bekanntheit genießt, möchte ich eine ausdrückliche Empfehlung ausgeben. Mehr Infos zum Rennen gibt es auf der Homepage.


Krušnoton >tschechischer Glutofen<

von centurio-tle

Aus dem Koma erwacht will ich euch ein paar Zeilen schreiben:

Das Fazit zu Beginn: Es war wohl das Härteste was ich bis dato gemacht habe (250km/4900hm).

Früh ging es los, 0330 Wecker, 0400 im Auto und pünktlich 0600 auf dem Parkplatz in Teplice wo Rix entspannt mir entgegen kam. Noch ein paar Quasselrunden und schon ging es zum Start (ca. 200m entfernt). Schon jetzt spürte man das "besondere Feeling", welches uns den ganzen Tag begleitete. Dazu gehört zum Beispiel, ein Profilaufkleber für das Oberrohr, klebende Rückennummern, Streckenabsperrungen, zahllose Helfer, Lautsprecheransagen in der Innenstadt früh um 7:00 Uhr, Zieldurchfahrt wie bei den Profis, Zwischenzeitnahme, Führungs- und Begleitfahrzeuge, Fotoleute an der Strecke und im Auto, Anstiegsbeschilderung mit Angabe von km und % usw.

Wir fuhren bei angenehmen 20°C los und ich war glücklich, dass ich Rix an meiner Seite hatte, der das "Ding" sehr gut kennt aber auch er sollte heute an Grenzen kommen. Wir ließen uns natürlich von der Meute (ca. 100-150) hetzen und fanden uns schnell im vorderen Drittel wieder und nahmen so die ersten Hügel. Es lief gut und nach ca. 90km und 2000Hm fanden wir uns oben auf dem Berg Komarka bei Krupka (5km; 9,4%) und pausierten, denn so war der Plan (der mir jetzt richtig bewusst wurde): wir warten auf das "getarnte" Jenatec-Team und fahren dann gemeinsam die Runde als RTF. Den Renngedanken (wegen des Zeitchips am Rahmen) hatte ich eh nicht ernsthaft ob der Temperaturen und der Strecke ins Kalkül gezogen. Mir war dennoch etwas bange denn dabei waren Mischa und T. K. Die Wartezeit wurde dann doch recht lang und es kamen Unzählige den Berg hoch und an uns vorbei und so konnten wir feststellen, dass wir doch recht flott die ersten km angegangen waren. Übrigens hatten wir jetzt 29°C.

Also ging es nun im Gruppetto weiter, das war im Flachen wunderbar am Berg war es manchmal ein Problem. Denn da hat naturgemäß jeder sein eigenes Tempo. Und so kam es das wir mal zu Zweit, zu Viert oder jeder für sich an Anstiegen unterwegs waren. Der Windschatten im Flachen war schön aber bei den Lok´s nicht zwingend erholsam. Die Temperaturen erreichten jetzt Spitzenwerte und zeigten ca. 37-40°C an. Bei Abfahrten brannte das Gesicht und berghoch hätte man denken können, dass unsere Flaschen undicht sind, denn die Straße war nass vom Schweiß. Die Hitze wurde das größte Problem. Jedoch war der Veranstalter vorbereitet und so wurden einem Wasser gereicht, wo eigentlich keine Verpflegungspunkte waren (u.a. aus Sidebags von Motorrädern), Wasserfontänen unterwegs gaben kurzzeitig Kühlung und reichlich Salztöpfe an den VP-Punkten kompensierten den Mineralienverlust. Die Verpflegung war reichlich und abwechslungsreich. Die Strecke ist fordernd und bietet immer wieder tolle Ausblicke. Die Anstiege sind hart (bis 17%) aber nicht so lang. Die Abfahrten sind größtenteils auf sehr gutem Asphalt, verhinderten aber nicht einen Sturz ins Brennnesselfeld. Nix passiert, habe die S-Kurve falsch gelesen und viel zu schnell genommen, so dass ich geradewegs den Ulle machen musste.

Nach einem Mittelstück mit zwei schweren Anstiegen fuhren wir die letzten ca. 60km zu Sechst die Runde zu Ende. Aber auch wir waren fast am Ende. Am letzten VP reichte mir auf einmal ein bekanntes Gesicht zur Begrüßung die Hand (H.K.) und wetterte. Er war sichtlich von der Runde gezeichnet. Ihn traf ich Schlangenlinien fahrend am letzten Steilstück wieder. Die letzten Hügelchen waren zäh oder steil und jeder kämpfte für sich. Rix musste raus nehmen (Krämpfe) und konnte so das Tempo der "frischen" Jenatecler bzw. Mischa und Torsten Kunath nicht halten. Ich kämpfte mich hoch und war sogar fähig zwei Jenatecler hinter mich zu lassen. Aber oben wurde artig gewartet und so rollten wir gemeinsam ins Ziel. Noch eine eiskalte Dusche über Kopf und Nacken, umgezogen und ab ging`s zurück nach Leipzig (Ankunft 2000). Frauchen wartete bereits (auch wenn ich zu nix mehr zu gebrauchen war).

Ja wir waren unvernünftig (jeder würde bei den Temp´s das Freie meiden und überdies sportliche Aktivitäten unternehmen) und Ja wir sind bekloppt aber es war ein toller Tag und in der Erinnerung bleiben eh nur die schönen Seiten, also vergessen sind Schmerz, Anstrengung und unverschämte Hitze. Dank an die Jenatecler und vor allem Rix für die angenehme Begleitung. Den Krusnoton werde ich bestimmt nochmal fahren.


2014

Rennrad zu verkaufen
oder
Der letzte Teil der KRUSNOTON-Trilogie

09. August 2014 - crazy race im Erzgebirge

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, aber sie stirbt!

In meinem Fall dieses Jahr genau bei Kilometer 110. Sieben Minuten nach der „deadline“ erreichte ich ziemlich kaputt vom dritten Anstieg das (eigentlich) rettende Buffet. Das meiste war schon eingepackt, Wasser bekam ich noch und den letzten Becher Cola.

Meine Entscheidung war gefallen: Ich klappte also meine Starnummer ein und verkündete dem noch verbliebenen Standpersonal meinen Entschluss, auf direktem Wege ins Ziel zu fahren und mich somit aus der Wertung zu nehmen. Ende. Aus. Das Ding wird zu Hause verkauft!

...neue (zu schnelle) Freunde!

+++

Eigentlich wollte ich dieses Jahr, noch mit der Schmach des technischen K.O. im Vorjahr belastet, alles richtig machen. Ein bisschen strukturierter trainiert, einen zehnten Gang eingebaut, mentale Stärke aus der Werbetätigkeit für dieses Event gezogen und die Streckenverpflegung nach der neusten Publikation des TOUR-Magazins zusammengestellt. Nur mit der dringend nötigen Verringerung des „Systemgewichts“ hat es leider nicht geklappt, was aber hauptsächlich am Mehrgewicht des zusätzlichen zehnten Ritzels gelegen haben muss.
Der einzige unklare Punkt war bis zuletzt die Auswahl der Streckenlänge. Vor zwei Jahren war das noch relativ einfach, 180 Kilometer zählte zu den 99 Dingen, die ein Mann tun muss, bevor er Fünfzig wird. Naja, damit bin ich nun durch und muss eigentlich mir und niemanden mehr etwas beweisen.

Doch – man(n) muss!

Trotz einiger verschleißbedingter Rückenprobleme, deren hilfloser Versuch einer Behandlung mich an Ulle's beste Jahre erinnerten – Donnerstag Spritze, Freitag Infusion (wobei die Infunade von Farbe und Konsistenz weniger sauerstoffangereichertem Tomatensaft glich, als eher dem Nordhäuser Doppelkorn) – legte ich mich am Vorabend des Rennens doch auf die 180 Kilometer fest (es waren ja immer noch 100 vom letzten Jahr aufzuholen).

+++

Ziemlich deprimiert rollte ich also nach dem leider jetzt schon letztmaligen Befüllen der Trinkflaschen der langen Abfahrt entgegen. Da ich diese nun schon auswendig kannte, wir befuhren sie jetzt zum zweiten Male, hatte ich Gelegenheit mir ein paar passende Ausreden zusammen zu reimen. Aufgabe? Nein, schlimmstenfalls eine „tagesformbedingte Streckenmodifizierung“. Aufgeben ist erst, wenn man in den Besenwagen (oh, das böse B-Wort – es wird noch eine Rolle spielen) einsteigt – und das wird NIE passieren! Da müsste man mich schon mit einem Kescher vom Rad holen und in eine Zwangsjacke stecken, um mich da rein zu kriegen! Dafür, dass mir der Orthopäde meines Vertrauens gestern noch folgenden ernstgemeinten Rat gab - Wenn sie unbedingt Fahrrad fahren wollen, kaufen sie sich am besten ein Hollandrad! – habe ich mich doch ganz gut geschlagen, oder?

Die Abfahrt war zu Ende, es ging jetzt durch welliges städtisches Terrain. Die Beine rotierten schon wieder recht anständig – nur „schnell“ nach Hause. Vielleicht wirkte auch schon die Cola. Seit einiger Zeit hatte ich aber das Gefühl verfolgt zu werden. Halluzinationen aufgrund der Sauerstoffschuld? Es klang wie Kette rechts. Shimano-Schaltgeräusche! Irgendwann auf dieser langen Gerade quälte sich dann doch ein tschechischer Sportsfreund an mir vorbei. Sprach mir ein paar, für mich unverständliche, aber sicherlich aufmunternd gemeinte Worte zu und versuchte davon zu fahren.

Er fuhr einen recht „schweren“ Tritt - im Gegensatz zu mir, der ich alle meine 32 Zähne mittlerweile sehr oft gebrauchte – ging aber bei jeder Welle aus dem Sattel und „keulte“ drüber. Eine richtige Lokomotive also.

Die Streckenteilung kam näher, er aber nicht richtig weg. Keimte jetzt nochmal so etwas wie Hoffnung auf? Die „zweite“ Luft? Der „dritte Frühling“? Für Ihn gilt doch derselbe Zielschluss wie für mich, denke ich. Fährt er weiter, oder biegt er auch auf die „Abkürzung“ ein?
Die Schilder… 110 km links, 180 km rechts…
Ich halte mich links, doch in der rechten Hand kribbelt es. Der Kollege bleibt rechts. In meinem Gehirn beginnt plötzlich das digitale Zeitalter. Null oder eins – Champion oder Loser - links oder rechts? Der Straßenteiler kommt. Mit beherztem Ruck reiße ich das Steuer nach rechts (deshalb heißt RECHTS wohl auch Steuerbord)!

+++

Das Rennen beginnt zum zweiten Mal. Es wird ein Rennen gegen die Zeit, gegen den drohenden Zielschluss um 19:30 Uhr.

Ich gebe mir also einen Ruck und kämpfe mich wieder an den tschechischen Kameraden heran, ging an ihm vorbei, blickte mich um und durch kurzes Nicken verständigten wir uns wortlos über unsere gemeinsame Mission. Ziemlich schnell hatten wir unser passendes Tempo gefunden – wahrscheinlich waren wir beide am Drehzahlbegrenzer. Allein wäre es wohl für jeden von uns schwer geworden. Aber Klassenbrüder sind Waffenbrüder – die Klasse war S-M50 und die (zugegebenermaßen schon recht stumpfen) Waffen zwei Aluräder und vier lahme Beine!

Auf der folgenden welligen Transferstrecke zwischen Erzgebirge und dem böhmischen Mittelgebirge ergab sich durch die Topographie eine sinnvolle Arbeitsteilung von selbst, er zog – wie schon oben erwähnt – Lokomotiven gleich vornweg über die Rampen, an den Kulminationspunkten demmelte ich vorbei und nutzte den Schwung der Abfahrten um in die Flachstücke hinein zu führen.

Es lief, nicht zuletzt durch die lange Abfahrt und dem folgenden Rouleurstück waren wir wieder im Limit, sogar mit ein bisschen Reserve. Die war aber auch bitter nötig, denn die „restlichen drei Hügel“ werden diese wieder zu Nichte machen, soviel wusste ich noch vom letzten Mal.
Im ersten der drei Anstiege, einer relativ langeinsehbaren, mäßig ansteigenden Gerade wurden Erinnerungen an 2012 wach - schmale schlechte Straße, Traktor mit überbreiten Anhänger von vorn – das war doch alles schon mal da. Ein völliges Déjà-vu, es kam wie es kommen musste, auch der Besenwagen tauchte an fast derselben Stellen auf.

Doch die Situation heute war eine völlig andere – er war diesmal ROT!
Auch wurde er wohl dieses Jahr nicht mehr von einem ausgemusterten MAN-Schiffsdiesel befeuert, der immer näher kommende Klang war schon beinahe sirenenhaft. Bis zum letzten Buffet, welches schon nach dem Anstieg auf uns wartete, retteten wir unseren Vorsprung.
Hier ergab sich zwischen dem tschechischen Sportsfreund und der Veranstaltungsexekutive ein entspannter Plausch, ich nehme an, mein Mitstreiter hat ihnen erklärt, dass wir schon schneller fahren könnten, aber da wir schon mal hier sind, auch etwas von der schönen Landschaft mitbekommen wollten und den vielen Sehenswürdigkeiten die gebührende Aufmerksamkeit entgegenbringen müssten.

Flaschen füllen, diesmal gab es noch die Auswahl zwischen zwei Becherreihen, eine mit dunkelbraunem Inhalt, rechts daneben mit hellgelblichem. Ich entschied mich für links, rechts hatte ich heute schon, was aber war wohl in den anderen?

So gestärkt fuhren wir in den vorletzten bedeutenden Anstieg. Genau in dem Steilstück in welchem ich damals links raus fuhr, um den Besenwagen vorbeizulassen, verschaltete sich der Kollege und musste vom Rad. Ich versuchte dennoch meinen Rhythmus bis zur Kuppe durchzuhalten. Erst oben konnte ich mich wieder umdrehen und sah, dass auch er wieder in Gang gekommen war. Gut so, denn den letzten Berg hätte ich nicht allein fahren wollen. So spannten wir also nochmal zusammen und gingen, jeder wie er noch konnte, in die letzte Steigung. Er konnte besser, wartete aber oben. Irgendetwas hatte ich plötzlich im Auge. Schweißperlen von der Stirn? Tränen – der Freude und der Erschöpfung! Geschafft, jetzt nur noch sturz- und pannenfrei herunterkommen. Wir versuchten es nochmals mit Führungswechsel, meine Anteile wurden dabei aber immer kleiner.

Noch drei Kilometer bis zum Ziel, die Restkilometerzahl ging rapide nach unten – die Bahnschranke vor uns leider auch! Wir haben doch keine Zeit! Zum Glück kam nur eine kleine, aber schnelle Rangierlok. Antritt, die Champs-Élysées von Teplice entlang, Einbiegen in die Zielgerade. Und nach barrierefreien 188 Kilometern das erste Auto, was uns im Weg stand. Wirklich bis hier, selbst noch zuletzt im Stadtverkehr wurde für uns abgesperrt – super!

Also ein kurzer Hüpfer auf den Bürgersteig und gemeinsam (hier entwickelte sich unser erstes richtiges langes Männergespräch: „together!“) dem Zielstrich entgegen. In heimtückischer Absicht streckte ich ihm meine Hand zum „shake hands“ entgegen, um ihn davon abzulenken, dass ich mein Vorderrad ein kleinwenig vorschob – NEIN, LETZTER wollte ich heute wirklich nicht werden!

Sorry, Vladimir! Ehrlich, wenn du nicht in Lom an mir vorbeigefahren wärst, wäre ich links abgebogen und hätte die „Kneifervariante“ gewählt. Nochmals meinen Dank für das gute Zusammenspiel. Und für's nächste Mal einfach dickeren Reifen draufmachen.
So, und wer nicht zu spät kommt, den betraft auch nicht das Leben. Nudeln waren noch reichlich da und warm, die Duschen noch heiß. Also alles gut.

Fazit:

Überlebt!

Bruttoschnitt um ein Zehntel verbessert, was aber auch daran gelegen hat, dass man bei der Hitze nicht Pinkeln musste – ja, absolute Körperbeherrschung ist auch Bestandteil einer ausgefeilten Renntaktik.

Ob ich diesen Event bei meiner Krankenkasse für's Bonusprogramm anmelde weiß ich noch nicht, vielleicht muss ich sonst noch Strafe zahlen – wegen vorsätzlichen groben Unfugs.
O.K., wer wissen will wie es wirklich ist, einfach mal mitfahren im nächsten Jahr.

Mit sportlichem Gruß

Die (glühend) Rote Laterne

…was bleibt?


2013

Bericht vom 3K-Tag (Krusnoton-Kurz-Kampftag) am 10. August 2013

…eigentlich sollte die Überschrift dieses Jahr lauten: „Die Rote Laterne schlägt zurück!“ Zurückgeschlagen hat aber dieses Mal der Krusno-Tot.  

Mir war ja von Anfang an nicht ganz wohl dabei, heute nur die Kneifervariante  (110 km) gewählt zu haben, aber dass es so sehr kneift, war nicht vorauszusehen.

Nach 15 km war die Luft schon raus – aus dem Vorderrad!

Eigentlich kein Problem, man hat ja schließlich alles dabei (schon seit fast 10 Jahren in der Satteltasche). Ernüchternd dann der Griff ins Innere. Eine halbe Rolle Klopapier, aber keine Reifenheber. Oha, die liegen wohl noch zu Hause, im Vorhaus auf dem Fensterbrett – vom letzten „Winterreifenwechsel“.

Voller Erwartung nun das Auspacken des Ersatzschlauches. Sah`  noch gut aus, das Teil. Wir hatten am Start noch über Faltmarken und Sollbruchstellen ebendieser,  unbeachtet im Dunklen viel zu kleiner Behältnisse dahinsiechender, Ersatzteile geflaxt.

Also Altteil raus – „Neu“teil rein. Luft drauf – doch STOP! Man soll ja auch mal auf die Innenseite des Reifens blicken, vielleicht steckt ja noch etwas drinnen. Also nochmal raus damit. Die Reifeninnenseite „abgefingert“, nochmal reingeschaut und fündig geworden. Eine kleine Glasscherbe war also der Übeltäter. Da haben wir ja noch mal Glück gehabt! Schlauch wieder rein, Luftpumpe drauf und los. Das ging ins Leere! Wo war da Ventil hin? * Na prima, da stand ich nun im wahrsten Sinne des Wortes …wohl auf dem Schlauch.

Den „neutralen“ Materialwagen hatte ich anfangs ja noch in Vertrauen auf den Inhalt meiner Satteltasche vorbeigewinkt. Da blieb wohl nur noch der Rückweg. Diesen konnte ich dann wenigstens im Transporter des Veranstalters zurücklegen – Danke an Jan!

Noch mit dem Vorsatz beseelt, neu bereift einen zweiten Versuch zu wagen, ging ich im Zielgelände auf „Einkaufstour“. Leider konnte mir hier niemand Luft pumpen und einen Schlauch schon gar nicht. Nicht mal für Westgeld! Am etwas protzigen Stand des Hauptsponsors (der Radfabrikant aus dem „Kanonental“) hätte ich sofort ein ganzes Rennrad bekommen können – aber nicht bei dem Kronen-Kurs!

So, die Motivation war nun ganz im (Rad-)Keller! Also duschen gehen – bezahlt ist bezahlt. Auf dem Weg dahin sah ich, dass gerade die ersten dicken fetten Würste auf den Grill gelegt wurden. Damit war mein Kampfeswille nun endgültig gebrochen – die Entscheidung war gefallen – Ende und AUS!

Da ich mit den Kilometern nun ziemlich weit ins Minus gerutscht bin, heißt das wohl für`s nächste Jahr: Kurzstrecke reicht nicht!

Gruß

Die luft- und lustlose Rote Laterne

* Zu Hause habe ich diesen Schlauch dann aufgeschnitten und siehe da, der abgemurkste Ventileinsatz fiel heraus.


2012

Bericht von meinem ersten KRUSNOTON

Wenn es interessiert, hier ein kurzer Stimmungsbericht, verfasst im Zustand noch immer anhaltender Sauerstoffschuld im Gehirn:

Nun, in einem Anfall maßloser Selbstüberschätzung wollte auch ich nun meinen ersten "richtigen" Radmarathon bestreiten.

Wie kommt man auf so etwas?  Bei irgendeiner Routine- Googelei  ging diese „Krusnoton.cz“-Seite auf. Wahnsinn! Ich war begeistert davon, das man wegen eines Ötztaler`s (zumindest was die Daten der langen Strecke betrifft) nicht über 10 Stunden bis in die Alpen fahren muss, sondern dass ich das auch ´ne gute Stunde von mir zu Hause haben kann, nur eben auf der anderen Seite des Gebirges (die ich zugegebener Maßen bisher überhaupt nicht kannte).  Hinterm Horizont geht es also doch noch weiter! Das sollte doch ein Versuch wert sein.

 Die Anreise erfolgte schon am Freitag  Abend ganz bürgerlich per PKW via Zinnwald auf der Straße Nr. 8 nach Teplice. Ein Schlechtes Gewissen hatte ich dabei nicht, denn die Strafe ereilte mich tags darauf,  indem ich diesen Weg in der anderen Richtung wieder herauf radeln durfte.  Die Übergabe der Startunterlagen und die Zuweisung des Schlafplatzes erfolgten völlig unkompliziert, auch noch nach 21:00 Uhr, da eines der netten Mädchen sehr gut deutsch sprach und auch noch kein so großer Andrang herrschte.  Der  Schlafplatz in der Turnhalle lies Erinnerungen an alte Orientierungslaufzeiten in den Siebzigern aufkommen, nur die heutige  Flächenauslastung kam bei weitem nicht daran heran. Wir waren also nur 5 oder 6 Leute in der Riesenhalle. Die Tschechen leisteten sich wohl eine Hotelunterkunft, denn im Radkeller waren doch einige Maschinen mehr untergestellt, oder sie schliefen einfach nur draußen unter dem EU-Rettungsschirm.

Morgens gegen halb 6 war dann erstes Gewusel angesagt, da wollten wohl wirklich schon welche 7:00 Uhr am Start stehen - die ganz Harten also. Der Blick aus dem Fenster verhieß nichts Gutes - der Himmel wolkenverhangen und Regen. Wie das ausgehen kann sieht man auf der Bildergalerie dieser Veranstaltung von 2011. Unter diesem Eindruck sofort wieder hinlegen!

Irgendwann wurde dann doch aufgestanden, kurzes Frühstück, der Supermarkt ist gleich um die Ecke. So, nun füllte sich auch der Parkplatz und die Startnummernausgabe zusehends. Der Himmel hellte sich zwischenzeitlich auch auf. Es wurde trocken, scheinbar alles Bestens.

Die Streckenwahl war getroffen, 170 sollten es also werden, der eingangs erwähnte "Anfall" hielt also noch an. Drei Gründe zur Befürwortung des Unternehmens:

- die Auffahrt zum Mücken-Türmchen, die ich unbedingt absolvieren wollte, war in der "kleinen" Runde nicht dabei.

-  die Option nach drei Erzgebirgsanstiegen auf die 110er-Strecke einbiegen zu können um mit DNF in der Ergebnisliste "nach Hause" zu fahren (hat den Vorteil, dass man in der Ergebnisliste nicht lange suchen muss, diesen Vorteil kann man aber auch so erzielen - wie sich weiter unten zeigen wird)

- und die Möglichkeit zwei Gebirge in einer (Tages-)Tour zu befahren (Erzgebirge und Böhmisches Mittelgebirge), wer von den ganzen Alpenmarathon-Fahren kann das schon von sich behaupten!

Dagegen sprach allerdings der schlechte Trainingszustand, der jedoch durch gut angelegte Energiespeicher in  Form von Bauchfett wettgemacht werden sollte.

START!

Der erste giftige Anstieg war noch im Stadtgebiet: "... die spinnen, die Tschechen!".  Mein Vorhaben, mich mit leistungsstimulierenden Blicken auf die Hinterteile der "Tschechen-Mädels" zu motivieren, funktionierte auch nur bis Kilometer 20, dann bog der ganze Schwarm ab, auf die "Damenrunde".  Ab da an hieß es: "Jürgen - Allein im Wald". Das befürchtete Einzelzeitfahren auf der Erzgebirgs-Achterbahn nahm also seinen Lauf.  Als "Opener" also gleich hoch nach Horni Krupka , da dachte ich noch , das sei die "Schlüsselstelle", wer da hoch kommt, der schafft auch den "Rest". Erfrischend dabei auch der tschechische Humor - da wird gleich mal "15%" auf den Straßenbelag gesprüht und für die, die nicht (oder dort schon nicht mehr) lesen können, eine grässliche Monster-Fratze als selbsterklärendes  "Piktogramm" dazu. Eigentlich wollte ich es fotografieren, aber Lenker-Loslassen ging  an der Stelle wirklich nicht. Die Abfahrt auf einem schmalen Wirtschaftsweg durch den Wald dagegen, war schon ein besonderer Adrenalin-Kick. Da war ein 1-Mann-Feld sicherlich von Vorteil. Dieses Teilstück musste wohl wegen kurzfristiger Streckenänderung bedient werden.

An dieser Stelle auch gleich ein Lob für die Streckenmarkierung und vor allem für die Streckenabsicherung. Da die Veranstaltung ja bei laufendem Straßenverkehr durchgeführt wurde, waren alle Kreuzungen, Abzweigungen usw. von Streckenposten gesichert, welche den motorisierten Verkehr stoppten, sobald sich die Rennteilnehmer näherten.

Der zweite Anstieg erfolgte dann auf der oben erwähnten Straße Nr. 8 nach Cinovec, einigermaßen unspektakulär.  Willkommen dagegen war das erste "BUFET". Folgend eine Art "Kammweg" mit entsprechenden "Auf und AB" und "Aussicht". Dann wieder abwärts, diesmal auf  "richtigen" Straßen. Das ist also der Lohn für die "Kraxelei". 

Was dann folgte, war Anstieg Nummer 3. Irgendwie hatte ich diesem beim morgendlichem Kartenstudium keine allzu große Bedeutung beigemessen, wie sich zeigen wird - ein Fehler. Vielleicht nicht ganz so steil, aber in Anbetracht der bereits absolvierten Strecke - gefühlte doppelte Länge.  Noch dazu, dass mich dort zwei Grüppchen der 240er überholten, an denen ich an meinem ersten bzw. zweiten Anstieg noch vorbeigefahren bin (was dort zu einem kurzzeitigen Stimmungshoch bei mir geführt hatte). Das erste Pärchen kam mit enormen Geschwindigkeitsüberschuss und ward nie wieder gesehen. An der  folgenden Dreiergruppe konnte ich dann noch bis 500m vor der Kuppe dran bleiben, dann war der Akku leer. Apropos Akku - einer der drei hatte eine elektronische Di2 am Rad. Vielleich war das Kabel am Schaltwerk nur Attrappe und der Strom floss ganz wo anders hin? Müssen wir mal den Cancellara fragen....  Nach der Kuppe eine kurze verführerische Abfahrt und dann eine unerwartete Rampe hoch zum BUFET, das einem erst mal der Hunger verging.  Auch habe ich es verpasst, zu schauen was dort meine "Überholer" zu sich nehmen. Belgischer Cocktail tschechischer Art?  Naja, das sind so halt die wirren Gedanken, wenn die Luft dünn wird.

Hier habe ich dann das erste Mal auf die Uhr und den Kilometerzähler geschaut um zu kalkulieren, ob im Tal auf die 110er abgebogen wird oder ob ich die Sache würdig zu Ende bringe. Es waren noch 4 Stunden Zeit bis zum Zielschluss, ... und kalkulieren ist in diesem Zustand sowieso nicht mehr das richtige Wort. Also, Gas geben!

Die Abfahrt machte wieder Spaß, obwohl  "erholsam" ist das auch nicht, sich bei Vmax am Lenker festzubeißen und sich auf den Kurvenverlauf zu konzentrieren. Was nun folgte, war eine längere "Flachetappe" mit so etwas Ähnlichem wie Rückenwind.  Dann aber schaukelte sich das ganze langsam wieder hoch bis zum letzten BUFET. Wenn ich schon nicht gewinne, dann wird wenigstens ordentlich reingehauen. Bezahlt ist bezahlt.  Das habe ich vor 30 Jahren beim Rennsteiglauf auch schon so gehalten. Damals  musste man ja für Bananen und Apfelsinen auch sonst ziemlich weit laufen.

Und wenn man allein kommt, gibt es auch einen Sitzplatz!

Es sollten jetzt noch zwei "Hügel" folgen. Ab hier setzte der Lernprozess ein. Bis dahin wusste ich gar nicht, dass es einen Besenwagen wirklich gibt!  Das muss man nicht haben. Ständig dieses bedrohlich näherkommende Dieselgetucker im Rücken. Der Fahrer sammelte so nebenbei alle Schilder und Markierungen ein, aber er kam wieder  ... und immer wieder! Kurz vorm Nervenzusammenbruch bin ich dann mal rechts raus gefahren, um so zu tun, als ob ich mir die Weste ausziehen wollte. Glücklicherweise fuhr er weiter, also erst einmal durchschnaufen und weiter ging es. Besser sogar - ohne Druck von hinten. Aber zu früh gefreut, ein paar Kreuzungen weiter wartete er schon und "schob" mich auch noch den letzten Hügel hinauf. Nun gut, wenigstens bergab bis zum Ziel hatte ich dann noch "freie" Fahrt. Als ich auf die "Zielgerade" einbog wurden gerade die Absperrgitter abgebaut, der Zielbogen hing auch nur noch ziemlich schlaff da, im Gegensatz zu mir, der hier eigentlich unter dem Jubel der Massen nochmal zum Sprint ansetzen wollte.  Wenigstens die Uhr lief noch. Und sie lief auch für mich noch weiter, weil ich nämlich aufgrund der "(Ab-) Baumaßnahmen" im Zielbereich erst einmal an der Matte vorbeigefahren bin.

Die obligatorische Finisher-Suppe gab es dann auch noch, allerding nicht mehr sehr heiß, wer aber darauf Wert legt, muss eben schneller fahren! Frisch geduscht ging es dann die heute schon oft erwähnte Straße Nr. 8 mittels PKW wieder hinauf, kurz vor der Grenze  noch mal die Energiespeicher aufgefüllt (bei einem wurde das verbrauchte Cola-Bananen-Gemisch durch das von Knödeln und Schweinebraten erneuert und der andere wurde mit Natural 95 gespeist) und ab nach Hause.

Fazit:

Den gesundheitssportlichen Effekt lassen wir hier mal außen vor, es gibt momentan kein Körperteil, welches nicht weh tut.

Als Bildungsreise wird es auch nicht durchgehen, es sei denn, man bildet sich etwas drauf ein, es geschafft zu haben.

Am besten trifft es wahrscheinlich der Kommentar meiner Frau: "TYPISCH MANN!"

Dem wäre eigentlich nichts hinzuzufügen, außer:

Es ist nicht ausgeschlossen, dass man mich hier wieder sieht, ein bisschen leichter, ein bisschen trainierter - dann klappt`s auch mit dem Nachbar(-lands-Maratho)n!

Mit sportlichem Gruß

Die Rote Laterne